| Weltreisen | Sri Lanka | Das Hochland | Site-Map | HOME |
| Das Zentrum |

Am Morgen nach einem guten Frühstück starteten wir im Hotel Jungle Paradise am Udawalawe Nationalpark. Ziel waren die Berge im Hochland, die wir schon bei der Safari am Vortag am Horizont sehen konnten. Jedenfalls als Silhouette, denn sie waren meist von Wolken verhüllt.
Die Fahrt zur gebuchten Unterkunft nahe Ella, dem Guest Inn Avendra, dauerte gut 2,5 Stunden und war wenig spektakulär, denn das Wetter war trübe. Wir sind sicher an einigen Sehenswürdigkeiten vorbeigefahren, aber die kleinen Orte, die wir durchfahren haben, konnten uns auch nicht reizen, um dort anzuhalten.
Das erste Highlight kam dann nach kurviger Fahrt durch die Berge kurz vor Ella: der Ravana-Wasserfall. Ella bedeutet Wasserfall, und es gibt einige davon in der Umgebung.
Hier war es sehr voll: viele Autos, Massen an Touristen und dazwischen ganz viele Affen, die auf ihre Chance warteten, etwas zu ergattern. Denn am Straßenrand verkauften einige Shops Essen und Getränke. Wie auf dem Rummel, nur mit einem schönen Wasserfall, den wir vom Auto aus ohne Aussteigen fotografierten.
Unser Fahrer hatte kurz angehalten, wurde aber schon vom nachfolgenden Verkehr weggehupt. Nichts wie weg hier. Ins Zentrum von Ella sind es von hier aus noch knapp 10 Kilometer, und überall am Straßenrand sahen wir Touristen aus aller Welt. Meist junge Leute, sehr freizügig angezogen, und je näher man dem Zentrum kam, umso mehr wurden es.
Von hier aus mussten wir noch knapp 4 Kilometer über kurvige Straßen durch Wohngebiete an steilen Hängen bis zu unserer Unterkunft fahren.
Ella liegt eingebettet in die nebelverhangenen Highlands von Sri Lanka und wird von einer beeindruckenden Bergkulisse umgeben, die durch das berühmte Ella Gap geprägt ist. Geografisch befindet sich der Ort auf einer Höhe von etwa 1.000 Metern, was für ein deutlich frischeres Klima als im tropischen Tiefland sorgt.
Die Geschichte des Dorfes ist eng mit dem britischen Kolonialerbe und dem Ausbau der Eisenbahnstrecken für den Tee-Export verknüpft, wobei die Region heute vor allem durch ihre markanten Wahrzeichen wie die Nine Arch Bridge weltberühmt ist.
Leider wird Ella auch zunehmend von einem Umweltproblem heimgesucht, das viele Besucher überrascht und das auch unseren Aufenthalt weniger schön machte: eine schlechte Luftqualität und Smog. Obwohl man sich in den Bergen befindet, ist die Luft oft nicht so klar, wie es das Panorama auf vielen Werbefotos vermuten ließe.
Die Ursachen für diese Trübung sind vielschichtig und liegen oft weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Ein Großteil des Smogs in Ella ist auf großräumige Luftströmungen zurückzuführen. Besonders in den Monaten von Oktober bis März tragen Winde Feinstaub vom indischen Subkontinent herüber, wo in dieser Zeit intensiv landwirtschaftliche Flächen abgebrannt werden.
Die geografische Lage von Ella in einem Talbecken begünstigt, dass sich Schadstoffe bei bestimmten Wetterlagen ansammeln. Wenn kühle Luftmassen in den Bergen liegen bleiben, wirkt dies wie ein Deckel, unter dem sich der Smog staut. Genau das konnten wir hier vom Balkon aus am Morgen gut beobachten.











Das Zentrum von Ella, das wir später zu Fuß und mit dem Tuk-Tuk besucht haben, präsentiert sich als ein lebhafter Knotenpunkt, der eine fast schon hysterische Begeisterung bei vielen Reisenden auslöst, während er auf andere, wie auf uns, doch eher ernüchternd wirkt.
Die Infrastruktur ist chaotisch, da es keine Bürgersteige gibt und man sich den stellenweise knappen Straßenraum ständig mit einem hohen Verkehrsaufkommen aus Bussen, Tuk-Tuks und Motorrädern teilen muss. Stellenweise kann man auf dem mit Betonplatten abgedeckten schmalen Regenwasserkanal laufen. Der extreme Verkehr im engen Ortskern mit veralteten Motoren ohne moderne Abgasreinigung führt zu einer hohen Konzentration von Partikeln direkt auf der Hauptstraße.
Die Stimmung ist stark auf ein junges, internationales Publikum ausgelegt, was sich in einer hohen Dichte an westlich orientierten Cafés und Bars mit lauter Chill-out-Musik und Karaoke-Angeboten widerspiegelt. Da sitzen sie dann direkt in den offenen Cafés mit Blick auf die Hauptstraße mit dröhnenden Autobussen und finden das ganz toll. Wir nicht; wir haben einmal hier einen Kaffee getrunken und sind dann wieder entlang der Bahngleise zurück in unseren ruhigen Wohnort gelaufen. Dort findet man auch noch kleine, nette Restaurants im Grünen, in denen man wesentlich schöner sitzt und ein besseres Angebot bekommt.
Die starke touristische Ausrichtung in Ella hat natürlich auch ihren Preis, denn das Niveau der Ausgaben ist hier im Vergleich zum restlichen Land überdurchschnittlich hoch. Ein Eis haben wir für 1.000 LKR gesehen, auch die Preise in der Kaffeekette Barista waren hier sogar höher als im toristischen Hot-Spot Galle Fort.
Während viele Besucher das pulsierende Nachtleben und die gesellige Atmosphäre schätzen, empfinden andere den Ort als künstlich und anstrengend. Das Internet, wie zum Beispiel YouTube, ist voll von Leuten, die dir gerne aufzählen, was die zehn tollsten Dinge sind, die man hier in Ella machen kann. Das meiste ist bei schönem Wetter in Szene gesetzt, total überlaufen oder eher für junge Traveller interessant.
Die umliegenden Hänge sind übersäht von Baustellen, gefühlt bei jedem zweiten Haus werden gerade ein oder mehrere Zimmer für Touristen angebaut. Alle wollen vom steigenden Tourismusboom profitieren, man wundert sich, wie die Baustellenfahrzeuge über die schmalen und steilen Wege zu den Häusern kommen. Aber dafür gibt es hier extra kleine LKW und Bagger, die kleiner sind als eine SUV in Deutschland.
Die Diskrepanz zwischen dem idyllischen Bild der umliegenden Natur und dem lauten, kommerziellen Ort führt dazu, dass die Meinungen der Reisenden über Ella stark gespalten sind.














Google Map zum Thema
| Weltreisen | Sri Lanka | Das Hochland | HOME |
| Datenschutz | Impressum |